Ikonenmalen für Asylwerber

Frauen aus dem Iran widmen sich zusammen mit Einheimischen dem Ikonenmalen im Geistlichen Zentrum Embach.

 

Ein besonderes Ereignis war der Ikonenmalkurs mit Sr. Roswitha Oberlechner von 17.-24. April im Geistlichen Zentrum Embach. Erstmals nahmen zwei Frauen aus dem Iran daran teil, die im Asylwerberheim in Lend leben.

„Christen, die aus einem mehrheitlich islamischen Land geflüchtet sind und im Asylwerberheim wieder in einer großteils islamischen Umgebung ankommen, haben es besonders schwer“, meint Pfarrer Oswald Scherer, der Leiter des Geistlichen Zentrums Embach. „Eine Ikone kann für Menschen, die allein und fern von Familie und Heimat leben müssen, ein besonderes Zeichen ihres Glaubens sein und eine Hilfe, um ihre schwierige Situation zu bewältigen. Im Glauben der Christen im Osten spielen ja Ikonen (kostbare Christus- oder Heiligenbilder) eine besondere Rolle. Daher habe ich die christlichen Frauen aus unserem Asylwerberheim eingeladen, bei unserem Ikonenmalkurs mitzumachen.“

Zwei iranische Frauen, Nadja und Farsane, folgten der Einladung. Zusammen mit drei weiteren Kursteilnehmerinnen widmeten sie sich eine Woche lang mit viel Hingabe und Begeisterung ihrer Christus- bzw. Marienikone. Fachliche Anleitung dazu gab die Ikonenmalerin Sr. Roswitha Oberlechner aus Salzburg, die seit mehr als 20 Jahren Ikonenmalkurse leitet. Begonnen und abgeschlossen wurde jeder Kurstag mit einem gemeinsamen Gebet. Eine Ikone soll ja nicht nur wegen der verwendeten Materialien (Naturfarben und echtes Blattgold) kostbar sein, sondern vor allem wegen ihrer spirituellen Aussagekraft. „Ikonenmalen braucht keine besondere künstlerische Begabung, aber es dauert sechs Tage, wie die Schöpfung“, erklärt Sr. Roswitha, „am siebten Tag wird sie geweiht.“

Das Ergebnis der Ikonenmalwoche konnten die Embacher Kirchenbesucher am Sonntag bestaunen, als die Ikonen beim Gottesdienst feierlich geweiht wurden. „Mich hat beeindruckt, die Ikonen beim Gottesdienst vor dem Altar aufgestellt zu sehen“, meinte eine der Kirchenbesucherinnen. Und Pfarrer Scherer fügt hinzu: „Wir einheimischen Christen müssten viel mehr auf die Christen, die aus mehrheitlich islamischen Ländern zu uns flüchten, zugehen“. Ein Beispiel dafür ist der Ikonenmalkurs – vielleicht folgen noch weitere?

 

Text: Oswald Scherer

Fotos: Helene Nähring

Die Ikone ist schon fast fertig

Gebetsraum des Geistlichen Zentrums mit Chritusikone

Pfr. Scherer bei der Weihe der Ikonen

Schwester Roswitha gibt fachkundige Anleitung für die Ikonenmalerinnen

Sr. Roswitha, Pfr. Scherer und vier der Ikonenmalerinnen

Zur Weihe werden die Ikonen vor dem Altar in der Kirche aufgestellt